• Maja Büttner

Reisetagebuch, Kapitel 6 // #24

Hi!


Wenn die Blogaufrufe plötzlich nach oben gehen, obwohl man gar nichts Neues gepostet hat, dann weiß man, dass man wohl schon zu lange nichts mehr von sich hat hören lassen.

Das hatte aber einen Grund: Am 10. Juni habe ich mich auf den Weg nach Huaraz gemacht, weil ich dort, gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen einen 10-tägigen Trek machen wollte. Also 10 Tage lang durch die Anden wandern, dabei im Zelt schlafen, die Ausrüstung von Eseln tragen lassen...


Um dort hinzukommen, bin ich erst nach Lima gefahren. Dort hatte ich 5 Stunden Zeit, bis zu meinem nächsten Bus nach Huaraz. Diese Zeit habe ich effektiv genutzt, indem ich mir das Handy klauen lassen habe.

Bei der Gelegenheit habe ich herausgefunden, dass alle meine Konten sehr gut geschützt sind, ich kam nämlich erstmal selber nirgendwo mehr rein.

Meinen Eltern und ein paar Leuten hier aus Peru habe ich zwar Bescheid gegeben, dass es mir gut geht, dass mein Handy weg ist und dass ich bis zum 25. Juni erstmal nicht erreichbar sein werde, aber ich hätte eigentlich nochmal einigen Leuten geschrieben, dass sie sich keine Sorgen machen sollen, wenn ich 10 Tage lang nicht antworte. Ein interessantes Experiment auf jeden Fall... Es rührt mich, dass sich ein paar Menschen wirklich Gedanken gemacht haben, auch wenn es mir gleichzeitig echt leid tut, obwohl ich nichts dafür konnte.


Aber jetzt zum eigentlichen Thema dieses Posts: Meine zwei Wochen in und um Huaraz.


Am Samstag, den 11. Juni kam ich abends in Huaraz an. Genau wie man es nicht machen soll (aufgrund der Höhe), habe ich mir für meinen ersten Tag direkt eine Wanderung ausgesucht, bei der es bis auf 5000 Meter nach oben ging. Dafür war es streckenmäßig nicht weit. Wir - also eine meiner Mitfreiwilligen, die dann auch bei unserer langen Wanderung dabei war und ich - haben einen Tagesausflug zum Glacier Pastoruri gemacht.

Das war der erste Gletscher den ich jemals gesehen habe und es war sehr beeindruckend und gleichzeitig ziemlich traurig, denn der Gletscher ist aufgrund des Klimawandels in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Man konnte große Risse sehen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er komplett verschwunden sein wird, bis ich in ein paar Jahren vielleicht nochmal nach Huaraz zurückkehre.


In den folgenden Tagen haben wir bzw. ich dann noch zwei weitere Akklimatisierungswanderungen gemacht: Zu zwei sehr schönen Lagunen. (Laguna Churup & Laguna 69, falls jemand Fotos Googeln möchte.)


Am Donnerstagmorgen um 5 Uhr ging es dann endlich richtig los - 10 Tage durch die Anden.


Eingepackt wurde nur das Nötigste. Meine beiden Mitfreiwilligen und ich, waren letztendlich die einzigen Leute in unserer Gruppe, weil vier andere relativ kurzfristig noch abgesagt haben. Wir haben uns eine Tasche geteilt, in die wir unsere Kleidung etc. gepackt haben. Die wurde dann während des Treks immer von den Eseln getragen, genau wie unser Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Kochzubehör, Gasflasche und so weiter.

Außerdem hatte jeder von uns noch einen Tagesrucksack, in den wir unsere Kameras, Wasserflaschen und Alles, was man tagsüber auf den Wanderungen eben noch so braucht, gepackt haben.


Am ersten Tag saßen wir erst mal den halben Vormittag im Auto und sind dann direkt bis zum ersten Camp gefahren.

Dort haben wir dann gemeinsam mit unserem Guide und dem Eseltreiber zu Mittag gegessen, bevor wir uns zu unserer ersten kleinen Wanderung zu einem Mirador aufgemacht haben. Das war nicht besonders anstrengend: Es ging nur auf einen kleinen Berg hoch, von dem man eine gute Aussicht auf die umliegende Umgebung hatte. Wir konnten auch schon einen Teil der Strecke für den nächsten Tag sehen!

Am Nachmittag gab es Tee und danach haben wir gemerkt wie schnell es in den Bergen kalt werden kann - in einer Minute ist einem noch warm und man sitzt in der Sonne, in der nächsten bereut man, sich nicht schon für die Nacht umgezogen zu haben, als es noch keine gefühlten -10°C hatte.

Der erste Abend sowie der nächste Morgen waren rückblickend auf jeden Fall die kältesten. Ob das nur daran lag, dass wir den Dreh noch nicht so ganz raushatten, was die Organisation von Kleidung, Toilettengängen und dem Aus- & Einpacken von Schlafsäcken und Isomatten anging, oder ob es temperaturmäßig wirklich am kältesten war, kann ich nicht mit völliger Sicherheit sagen.

Meine Füße sind jedenfalls die ganze Nacht nicht warm geworden und ich lag mit zwei Eisklötzen im Schlafsack herum und habe keinen Tiefschlaf abbekommen.

Am nächsten Morgen kamen dann noch eiskalte Hände dazu und ich hatte großes Mitleid mit den Hunden, deren Leben während der Trockenzeit wohl daraus besteht, Wandergruppen auf ihren Treks zu begleiten und dabei ein bisschen Liebe und Essenreste abzustauben, denn die haben die Nacht ungeschützt im Freien verbracht - bei Minusgraden!


Immerhin hat die Kälte dazu geführt, dass wir hochmotiviert waren loszuwandern, um schnellstmöglich aufzutauen. So hat sich der Aufstieg zum ersten Pass gar nicht mal so anstregend angefühlt. Obwohl es natürlich trotzdem recht viele Höhenmeter auf kurzer Strecke waren, haben wir eine Gruppe überholt, die etwa eine halbe Stunde vor uns losgewandert ist und waren nach unter 2 Stunden auf dem Gipfel.


Die meisten unserer Tage waren so aufgebaut, dass wir nach dem Frühstück (Haferbrei oder Quinoa, Brötchen, zwei Mal sogar Pfannkuchen) und dem Zusammenpacken zwischen 7 Uhr und 7:30 Uhr losgewandert sind. Nach dem ersten Tag eigentlich immer ohne unseren Guide, denn der musste noch das Kochzelt aufräumen und packen. Er hat uns dann aber immer früher oder später eingeholt.

Zunächst ging es immer ein gutes Stück bergauf. Fast immer mussten wir über einen Pass, wobei diese zwischen 4600 Metern (am letzten Tag) und 5100 Meter hoch waren. An den meisten Tagen haben wir das in der ersten Hälfte des Vormittags geschafft, oben unseren Snack gegessen (Jeden Morgen haben wir von unserem Guide eine kleine Tüte mit einem Stück Obst und Keksen o.ä. bekommen.) und uns dann wieder auf den Weg nach unten gemacht, so dass wir zum Mittagessen schon wieder im nächsten Camp waren.

Manchmal ging es am Nachmittag dann nochmal zu einer kürzeren Wanderung zu einer Lagune oder zu einem Aussichtspunkt, manchmal konnten wir uns aber auch einfach ausruhen, lesen und Tagebuch schreiben.

An drei Tagen haben wir unser Mittagessen aber auch unterwegs gegessen, weil es zu weit war, um es dafür schon bis ins nächste Camp zu schaffen.

In jedem Fall gab es am Nachmittag immer noch eine Zwischenmahlzeit mit Tee - zum Beispiel Guacamole mit Gebäck, Popcorn o.ä., bevor es dann gegen 19 Uhr Abendessen gab (das Essen war wirklich ein Highlight der Reise) und wir direkt ins Bett gegangen sind. Sobald es dunkel und kalt ist, bleibt nämlich im Grund genommen gar keine andere Tätigkeit übrig, als sich in seinen Schlafsack zu legen und zu hoffen, dass die Füße schnell warm werden. Das wurde sie dann übrigens nach der ersten Nacht auch immer - zum Glück!


Ansonsten kann ich noch berichten, dass die Wanderungen teilweise (meiner Meinung nach) wirklich nicht ohne waren. Es ging hierbei weniger um die Distanzen, sondern viel mehr um die Höhenmeter bzw. die Höhe, auf der wir uns befunden haben. Ich war auf dem Weg nach oben immer total schnell am Schnaufen und musste öfter Pausen machen, um wieder zu Atem zu kommen. Dabei war ich auf den Akklimatisierungswanderungen immer überdurchschnittlich gut dabei... Muskelkater hatte ich hingehen nie, außer vielleicht an einem Tag, da aber dann vom stundenlangen, steilen bergab kraxeln.

Trotzdem, also obwohl die Anderen öfter mal auf mich warten mussten, weil ich langsamer war, waren wir immer noch schneller als die anderen Gruppen, die teilweise an den selben Tagen auf den selben Wegen unterwegs waren. Es ist also Alles in Allem ein sehr gut machbarer Trek, aber vollkommen unsportlich sollte man auch nicht sein, wenn man Spaß haben und nicht durchgehend leiden möchte.


Überholt wurden wir immer nur von den Eseln, die zwar immer eine ganze Weile nach uns aufgebrochen sind und schwer zu tragen hatten, aber dennoch einfach wesentlich flotter die Berge hochgetrottet sind als wir. Manchmal haben die Tiere auch andere, weniger steile, aber auch weniger schöne Routen genommen und waren so immer zuerst am neuen Camp.

Die Hunde (insbesondere einer, den ich sehr ins Herz geschlossen habe) waren meistens so nett bei uns zu bleiben, auch wenn sie öfter schon mal ein Stück vorgerannt sind und dann auf uns gewartet haben.


Damit man sich besser vorstellen kann, wie der Trek aufgebaut war, hier mal eine Tagesübersicht:


Tag 1 - nachmittags 3 km mit 315 Höhenmetern

Tag 2 - morgens 8,4 km mit 555 Höhenmetern, nachmittags 4 km mit 77 Höhenmentern

Tag 3 - 11 km mit 545 Höhenmetern

Tag 4 - 15,1 km mit 800 Höhenmetern

Tag 5 - 12 km mit 525 Höhenmetern

Tag 6 - 9 km mit 630 Höhenmetern

Tag 7 - 15,5 km mit 530 Höhenmetern

Tag 8 - 13,4 km mit 1215 Höhenmetern

Tag 9 - 9,8 km mit 500 Höhenmetern

Tag 10 - 14,5 km mit 415 Höhenmetern


Man merkt - die Distanzen waren nicht die Schwierigkeit, sondern die Höhenhmeter.

Am höchsten Punkt waren wir auf einem Pass mit knapp über 5100 Metern, die schönste Aussicht hatten wir aber an Tag 4, wenn ich mich richtig erinnere, wo wir von einem Aussichtspunkt aus drei Lagunen in verschiedenen Farben sehen konnten. Das war wirklich beeindruckend!

Der ganze Trek war sehr beeindruckend. Nicht ohne Grund, wird die Strecke von manchen Menschen als der schönste Wanderweg der Welt bezeichnet.

Zum "Beweis" hier mal eine kleine Auswahl an Fotos von allen Tagen. Tatsächlich habe ich noch ungefähr 2000 weitere, aber bis ich dazu kommen, mich durch die alle durchzuwühlen... Insofern kommen hier jetzt einige Fotos von Felix' Handy und falls ich beim Bilder sortieren zu dem Schluss kommen sollte, dass man die den Leser*innen dieses Blogs nicht vorenthalten kann, gibt es nochmal einen extra Post mit Trek-Fotos, einen Nachtrag sozusagen.






























Ein Highlight war aus meiner Sicht übrigens Tag 5, denn da lag unser Camp neben Thermalquellen und wir konnten uns sogar waschen! Die Sanitäranlagen-Situation war ingesamt zwar besser als erwartet - es gab fast immer Klos, wenn auch manchmal nur in Form eines Lochs im Boden - aber duschen konnten wir uns nicht. Aber auch unabhöngig vom Hygieneaspekt: Das Baden in den heißen Quellen war echt toll! Nach so vielen kalten und windigen Nachmittagen sozusagen in einem richtig heißen Pool entspannen zu können... Es war aber schon ein verrückter Gedanke, dass der Grund dafür, dass man in warmem Wasser herumschwimmen kann, die Hitze im Erdinneren ist.




Da habe ich glatt an den Geologie-Unterricht in der Oberstufe zurückdenken müssen. Und nicht nur da - eigentlich ständig. Ich habe sogar eine kleine Steinsammlung mit zurück nach Oxapampa geschleppt und habe mich selber damit überrascht, dass ich mir verhältnismäßig sicher bin, bei jeder Gesteinsprobe zu wissen, ob es sich um ein magmatisches Gestein, einen Metamorphit oder ein Sedimentgestein handelt - immerhin!


Übrigens: Trinkwasser gab es unterwegs keins. Deswegen haben wir uns vor dem Trek mit Chlortabletten ausgestattet und damit das Flusswasser gereinigt. Schmeckt mittelmäßig, aber immerhin haben wir hoffentlich keine Parasiten bekommen.

Was ich auch nicht bekommen habe ist Sonnenbrand, höchstens ein kleines bisschen an einem Tag, was mich rückblickend ein bisschen erstaunt, da ich zwar (Ja, Mama!) Sonnencreme verwendet habe, aber man auf so großer Höhe eben eigentlich auch viel leichter "verbrennt".


Am Ende der 10 Tage waren wir alle ziemlich müde (und dreckig), aber ich hatte ehrlich gesagt damit gerechnet völlig fix und fertig zu sein, was dann doch nicht der Fall war. In den meisten Nächten habe ich sehr gut geschlafen und nach einer Dusche und mit frischen Klamotten, habe ich mich quasi wie neugeboren gefühlt.


Trotzdem war ich einigermaßen froh, nach fast 24 Stunden in Bussen, am Sonntagabend dann endlich wieder in meinem warmen Bett zu liegen, in dem ich mich im Schlaf umdrehen kann, ohne plötzlich halb auf wem anders zu liegen, und in dem meine Füße von Anfang an eine Temperatur über den Gefrierpunkt haben und nicht Gefahr laufen vor Kälte abzufallen.


Mein Fazit zum Trek: Vielleicht die anstrengensten 10-Tage, die ich am Stück erlebt habe, auf jeden Fall die dreckigsten und kältesten 10-Tage, aber auch die abenteurlichsten seit sehr langem und mit wunderschönen Ausblicken und Natur.

Ich bin sehr froh, das Ganze gemacht zu haben und jetzt auch die Anden mal näher kennengelernt zu haben, so wie schon im Januar den Regenwald!


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