• Maja Büttner

Oxapampa // #18

Hi!


Eine wichtige Information vorweg: Nachdem ich meinen letzten Post zu meiner Einsatzstelle geschrieben habe, in dem ich ja mehr oder weniger erklärt habe, was ich über die Monate so mitbekommen habe, habe ich netterweise nochmal eine richtige Präsentation zu dem Thema "Wie ist das BIOAY aufgebaut?" bekommen. Die Struktur ist wirklich nicht ganz unkompliziert, aber ich werde definitiv nochmal eine aktualisierte Version des letzten Blogbeitrags schreiben und posten, damit ich hier keine Halbwahrheiten verbreite!


Wie versprochen kommt nach dem Post zu meiner Einsatzstelle jetzt aber ein Blogbeitrag zu Oxapampa, also der kleinen Stadt, in der ich hier in Peru lebe.


Die groben Fakten verrät Wikipedia: Oxapampa ist etwa so groß wie Bad Neustadt (über 15,000 Einwohner), liegt auf knapp 2,000m Höhe und befindet sich in der Selva, also dem peruanischen Regenwald.


Obwohl Bad Neustadt und Oxapampa ungefähr gleich groß sind, haben die beiden Städte kaum Gemeinsamkeiten. Das Offensichtliche liegt denke ich auf der Hand, aber ich meine auch die Tatsache, dass es in Bad Neustadt so ziemlich alles gibt, was man auch in der nächsten größeren Stadt (zum Beispiel Würzburg) findet.


In Oxa hat man beispielsweise was Lebensmittel betrifft zwar mehr Auswahl als in Pozuzo, aber lange keine so große wie in Lima oder einer anderen größeren Stadt. Es gibt mehr verschiedene Gemüse- und Obstsorten als in den umliegenden Orten, man kann pflanzliche Milch kaufen, Pilze aus der Dose und ab und zu sogar Soja-Fleisch, aber viele Dinge gibt es eben auch einfach nur in Lima. (Manche Dinge kriegt man auch hier, sollte aber für bessere Qualität doch besser nach Lima - E-Pianos bzw. Keyboards zum Beispiel, habe ich gelernt.)

Das hat zwar bestimmt damit zu tun, dass ich als Deutsche ganz andere Lebensmittel erwarte, wenn ich in den Supermarkt gehe, als die meisten Peruaner, hängt aber denke ich auch damit zusammen, dass Lima nun mal in jeder Hinsicht, außer der geographischen, der Mittelpunkt Perus ist. Ein Drittel der peruanischen Bevölkerung hat einen Wohnsitz in Lima.


Das ist auch verständlich, denn zumindest, wenn man Ambitionen hat, was die eigene Bildung angeht, kommt man nicht darum herum, wenigstens für einen gewissen Zeitraum dorthin zu ziehen. Anders als in Bad Neustadt, wo mir auf Anhieb sieben Schulen einfallen, die es gibt (Grundschule, Mittelschule, Realschule, Gymnasium, Wirtschaftsschule, FOS, BOS) und wo die nächste Universität nur eine Stunde entfernt ist (Würzburg), gibt es in Oxa meines Wissens nur eine Primaria (untere Jahrgangsstufen), eine Secundaria (Jahrgangsstufen bis zum Schulabschluss) und eine Art technisches College (wahrscheinlich mit der BOS zu vergleichen, aber da bin ich mir unsicher). Die nächste Universität findet man (soweit ich weiß) in Lima. Mit der Schule ist man hier schon mit 16 fertig, das heißt viele Menschen ziehen noch im Teenager-Alter nach Lima, um dort eine Universität zu besuchen. Wenn man mit seinem Hochschul-Abschluss dann auch richtig etwas anfangen möchte, kommt es oft nicht infrage, wieder zurück nach Hause zu ziehen. Ich kenne zum Beispiel ein Mädchen, dass in Lima einen Abschluss in internationalem Management macht, aber ursprünglich aus Oxapampa kommt. Das Stellenangebot hier passt aber leider gar nicht zu so einem Abschluss.


Neben der Landwirtschaft (Viehzucht ist hier sehr verbreitet, aber es wird auch viel angebaut) leben einige Menschen hier auch in irgendeiner Form vom Tourismus (Hotels, Ausflugsangebote, Restaurants...), besitzen ein Geschäft, arbeiten für die Municipalidad, sind Handwerker oder Bauarbeiter. Wenn man also keine Ausbildung hat, die da reinpasst oder wenn man Ambitionen hat groß Karriere zu machen, muss man entweder nach Lima (oder vielleicht noch Cusco oder eine andere größere Stadt) ziehen oder ins Ausland gehen. Viele junge Menschen, mit denen ich geredet habe, träumen davon in die USA auszuwandern. Ich glaube ich habe schonmal geschrieben, dass es mir vorkommt, als wäre der American Dream hier existenter als er es heutzutage in den USA ist. Europa haben die Leute meiner Erfahrung nach weniger auf dem Schirm und wenn dann hauptsächlich Spanien.


Ein weiterer großer Unterschied zwischen Oxapampa und Bad Neustadt sind die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung.


Zugegeben – hier läuft richtig viel über Facebook und nachdem ich das nicht nutze, kann es gut sein, dass ich etwas verpassen, aber bei mir ist der Eindruck entstanden, dass die populärsten Hobbies definitiv Fußball und Volleyball sind. Basketball wird auch gespielt. Dafür gibt es tatsächlich sogar ein kleines Stadion (also einen überdachten Fußballplatz eben) und es gibt Mannschaften für verschiedene Altersgruppen, also zum Beispiel auch ein Kindertraining. Leider kann ich mit Ballsportarten nicht sonderlich viel anfangen, sonst wäre es mir bestimmt leichter gefallen Anschluss zu finden. Teams für Frauen gibt es nämlich auch.


Ansonsten wird noch getanzt. Es gibt tatsächlich zwei Tanzgruppen, die traditionell deutsch-österreichische Tänzen einstudieren und damit auch auftreten.

Was ich bisher vergeblich gesucht habe, sind Angebote wie klassische Tanzstunden, Yogastunden oder eine Laufgruppe. (*edit: Ich habe neulich ein Schild gesehen, auf dem für Tanzstunden geworben wurde, darunter stand eine Handynummer, die werde ich demnächst mal anschreiben und nachfragen, ob da trotz Corona was läuft.)

Bis vor Kurzem war ich der Meinung, dass Oxapampiner überhaupt nie Joggen gehen, dann hat sich aber herausgestellt, dass ich zu westeuropäisch an die Sache herangegangen bin. Die Peruaner sind schlichtweg nicht so lebensmüde wie ich und gehen auf offener Straße laufen, wo sie alle paar Meter Gefahr laufen von einem Hund gefressen zu werden. Stattdessen gehen sie (morgens, zwischen 5 und halb 7) in den Park und joggen dort. Einziger Nachteil: Eine Runde ist nur 2 Kilometer lang und so ab der dritten Runde wird es spätestens langweilig, immer nur im Kreis zu rennen.


Der Park bzw. - fun fact- eigentlich ein ehemaliger Flugplatz

Der Park scheint am Wochenende, insbesondere am Sonntagnachmittag das Zentrum des Geschehens zu sein. Jedenfalls war die letzten drei Sonntage erstaunlich viel los dort. Es wurde Volleyball und Fußball gespielt, Kinder waren auf dem Spielplatz und Menschen sind mit ihren Hunden spazieren gegangen. Letzteres hat mich enorm überrascht, denn normalerweise sind angeleinte Hunde hier meiner Erfahrung nach so selten, wie Motorradhelme und angeschnallte Autofahrer. Ich habe mich ein bisschen an einen Sommernachmittag auf dem Marktplatz zuhause zurückversetzt gefühlt.


Zu weiteren Orten in Oxapampa inzwischen ans Herz gewachsen sind, gehören meine Lieblingsrestaurants und Cafés. Zum einen gibt es ein vegetarisches Restaurant, in dem man für 10 Soles (also so 2,50€) ein Mittagsmenü aus Vorspeise, Suppe, Hauptgericht und Getränk bekommt. (Vor Corona waren es wohl 6 Soles, also nur 1,50€.) Die Besitzerin ist total nett und hat, anders als die meisten Peruaner, eine Einstellung zum Thema Ernährung, die ich unterschreiben würde. Damit meine ich, dass viele Leute hier überhaupt keine Vorstellung davon haben, was „vegetarisch“ überhaupt bedeutet. Wenn man es erklärt, sind sie der Ansicht, dass es total ungesund wäre, auf Fleisch zu verzichten oder wenig Fleisch zu essen. Das sehen viele Deutsche zugegebenermaßen nicht anders, sind aber im Großen und Ganzen meiner Erfahrung nach informierter, was das Thema Ernährung betrifft und haben sich meistens schonmal ein bisschen mit ausgewogener Ernährung beschäftigt und glauben nicht, dass Hähnchen vegetarisch ist. ("Tienen algo vegetariano?" - "Sí, hay arroz con pollo!")


Außerdem gehe ich ab und zu gerne „asiatisch“ essen. Asiatisch in Anführungszeichen, weil es sich eher um peruanisch-asiatisches Essen handelt und ich mir vorstellen könnte, dass Menschen, die richtig Ahnung von asiatischer Küche haben, es als eine Beleidigung für diese empfinden würden, wenn sie das Essen, von dem ich spreche sehen würden. Es schmeckt aber auf jeden Fall trotzdem und der Kellner kennt mich inzwischen persönlich. Noch 1-2 Wochen und ich muss gar nicht mehr bestellen, sondern er bringt mir einfach das was ich immer bestelle – nämlich das einzig zufällig-vegane auf der Karte.

Erwähnenswert ist auch das Café „Ceja de Selva“, in dem ich jetzt schon ein paar Mal sonntags war, um einen Kaffee zu trinken und zu lesen. Es gibt auch Kuchen (angeblich sogar „deutschen Streuselkuchen“) und sehr viele verschiedene Teesorten, was mich beim ersten Mal wirklich begeistert hat, weil man hier üblicherweise dieselben vier Teesorten vorgesetzt bekommt und ich vorher noch keinen guten Früchtetee gesehen hatte.




Um beim Thema Freizeitgestaltung zu bleiben – was es hier nicht annähernd in demselben Umfang gibt, wie in der Rhön, ist die Möglichkeit, schöne Wanderungen zu machen. Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Umgebung nicht schön genug wäre (im Gegenteil!), sondern daran, dass es kaum Wanderwege gibt. (*edit 2.0: Man muss ein bisschen suchen, aber hin und wieder findet man auf Erkundungstouren ein paar schöne Trampelpfade, die auf keiner Karte eingezeichnet sind.)


zum edit: Aussicht, die ich auf meiner Erkundungstour letzten Sonntag zufällig entdeckt habe

auch noch zum edit

Es gibt den Nationalpark, der einen Hauptweg und kleine Nebenpfade hat und ein paar Aussichtspunkte, zu denen man über kleine Rundwege gelangt. Außerdem Wasserfälle, zu denen man das letzte Stück hinwandert. Aber all diese Orte haben gemeinsam, dass man erst ein ganzes Stück mit dem Moto oder einem Auto fahren muss, um dort hinzukommen. Wenn man den ganzen Weg laufen will, ist man einen großen Teil der Strecke auf Straßen unterwegs und wandert zwangsläufig auch sehr weit. Wenn ich von der Stadt aus bis zum Nationalpark und dort dann den Hauptweg entlang bis zum Ende (kein Rundweg) und denselben Weg wieder zurücklaufen würde, wären das fast 20km mit ordentlich Höhenmetern auf dem Gelände des Nationalparks. Eine realistischere Route würde von Oxapampa aus nach Chontabamba und auf er anderen Flussseite wieder zurückführen. Ein Rundweg, der laut Komoot etwa 15km lang wäre, aber nur über Straßen führen würde. Das werde ich aber demnächst mal austesten. (*edit 3.0: Hab es ausgetestet und es war sehr schön, trotz der Straße, die ist nämlich nicht allzu stark befahren!)


Wie ich anfangs schon erwähnt hatte, hat Oxa im Großen und Ganzen aber durchaus alles was man braucht. Es gibt mehrere Banken, Autowerkstätte, einen Fahrradladen, Tankstellen, einen Supermarkt, einen Markt, viele kleine Läden, die Lebensmittel verkaufen, Geschäfte für Kleidung, Elektronik und Möbel (auch, wenn man sich da nichts zu Krasses darunter vorstellen sollte) und ich habe sogar schon einen Laden gesehen, der unter anderem Schlafsäcke, Luftmatratzen und Zelte verkauft. Wie ich vielleicht schonmal erwähnt hatte, hat Oxapampa sogar einen eigenen Club (*edit 4.0: ZWEI eigene Clubs) und außerdem einige Bars.


Ein Bier in der Bar "Vater Otto".

Was Restaurants betrifft hat man auch außerhalb von peruanischer Küche eine kleine Auswahl.


Am meisten ausprobiert habe ich da bisher im Stadtkern. Jede peruanische Stadt, in der ich bisher war, hat einen Plaza de Armas. Das kann man am ehesten mit dem Marktplatz vergleichen, auch wenn es sich meistens eher um eine kleine Parkanlage handelt, in deren Mitte sich eine Art Gedenkstein befindet.


Das einzige Bild vom Plaza de Armas, das ich habe. Das war kurz vor Weihnachten und man erkennt leider auch nicht allzu viel...


Weitere wichtige Orte in Oxapampa sind auf jeden Fall das große Terminal an einem Ende von Oxapampa, wo auch die Busse in Richtung Lima abfahren und die kleinere Station am anderen Ende, wo man auch Autos nach Pozuzo findet. (*edit 5.0: Die kleine Station wurde demletzt geschlossen und mit dem Terminal zusammengelegt.)


Es gibt in Oxapampa übrigens auch ein Krankenhaus, Ärzte und sogar ein Zentrum für psychische Gesundheit. Wirklich etwas sagen kann ich nur zum Krankenhaus, weil ich dort ein Mal war, nachdem ich von einem Hund gebissen wurde und mir Sorgen gemacht habe, dass ich eventuell Tollwut haben könnte. Meine Erfahrung dort war leider ein wenig beunruhigend, da mir grob gesagt erklärt wurde, ich könne keine Tollwut haben, da meine Wunde sich nicht entzündet habe. Das ist einfach grundlegend falsch und hat wirklich nicht dazu beigetragen, dass ich mich besser gefühlt habe. (Es hat sich dann herausgestellt, dass der Hund, der mich gebissen hatte, gegen Tollwut geimpft war.) Ich konnte danach aber besser nachvollziehen, warum mir gesagt wurde, dass man für alles was auch nur ein bisschen komplexer oder ernsthafter ist nach Pasco oder Lima in ein besseres Krankenhaus fahren sollte. Ich versuche nicht zu viel darüber nachzudenken, dass es der absolute Horror sein muss, mit einem gebrochenen Bein oder einer Blinddarmentzündung erst noch stundenlang in einem Auto kurvige Straßen entlangzufahren, bevor man operiert werden kann…


So, das Alles beschreibt meinen Eindruck von Oxapampa glaube ich ganz gut. Es ist vielleicht noch interessant zu wissen, dass gerade einige junge Menschen aus den kleineren Orten um Oxapampa (zumindest in Richtung Pozuzo) regelmäßig in die Stadt kommen. Um Feiern zu gehen zum Beispiel, oder für Fußballspiele.


Das Leben in Pozuzo und anderen, kleineren Dörfern, wie Tingo Mal Paso ist auch nochmal ganz anders als das in Oxapampa. Wenn es sich ergibt, wird Lena (die andere Freiwillige aus der Rhön, die in Mal Paso an der Schule arbeitet) vielleicht mal eine Art „Gastbeitrag“ hier schreiben, um unter anderem einen Eindruck davon zu vermitteln, wie Tingo Mal Paso so ist. Das könnte denke ich ganz interessant sein.


Die "edits" kommen übrigens daher, dass ich diesen Artikel vor ein paar Wochen schon vorgeschrieben hatte, aber noch nicht dazu gekommen war Fotos hinzuzufügen und ihn hochzuladen.

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