• Maja Büttner

Kulturunterschiede zwischen Peru und Deutschland // #23

Hi!


In diesem Blogbeitrag soll es um die peruanische Kultur gehen, so wie ich sie bisher wahrgenommen habe. Außerdem werde ich ein bisschen auf generelle Unterschiede zwischen Peru und Deutschland eingehen, die mir auffallen.


Fangen wir an mit dem Essen.

Mir wurde vor der Abreise immer wieder gesagt, dass es schwierig werden könnte mit der veganen Ernährung in Peru. Auch, wenn ich dem nicht uneingeschränkt zustimmen würde, ist auf jeden Fall was dran. Meine Gastfamilie war in den ersten Wochen, als ich noch direkt mit ihnen zusammengewohnt habe sehr entgegenkommend und ich konnte problemlos vegan essen. Und auch nach meinem Umzug war das kein Problem, weil ich dann immer selbst gekocht habe. Gemüse gibt es hier genug, Linsen, Bohnen, Reis und Nudeln sowieso und auch ohne vegane Ersatzprodukte aus dem Supermarkt kann man sehr gut gesund und vegan leben. Schwierig wird es erst, wenn man unterwegs ist.

In typisch-peruanischen Restaurants habe ich schon viele Gespräche mit Köch*innen geführt und versucht zu erklären, dass ich einfach nur Reis mit ein bisschen Gemüse, frittierte Banane oder Salat möchte. Was man auf keinen Fall tun darf, ist mit dem Satz „Haben Sie auch was Vegetarisches? Ohne Fleisch?“ einzusteigen. Darauf bekommt man in der Regel sofort ein „Nein.“, sofern denn bekannt ist, was „vegetarisch“ bedeutet, und der Gesprächspartner beäugt einen misstrauisch. Besser ist es, direkt zu sagen, was man haben möchte. Zum Beispiel: „Das da, aber ohne Fleisch.“ Oder man bestellt „Arroz a la Cubana“ (also Reis mit frittierter Banane, das einzige vegetarische Gericht neben Tortilla de Verduras, das ich kenne) und bestellt das Ei dazu ab.

Manchmal versucht man es aber vergeblich und die Restaurantbesitzer scheinen sich schlicht zu weigern, etwas ohne Fleisch und Ei zu servieren. Das ist kein großes Problem, wenn man in der eigenen Stadt unterwegs ist und die Option hat notfalls selbst etwas zu kochen, aber wenn man auf Reisen ist, ist man manchmal darauf angewiesen in Restaurants etwas zu bekommen.

Auf unserer Frachtschifffahrt auf dem Amazonas im Januar hatten wir ja zur Sicherheit selbst Proviant mitgenommen und das war auch ganz gut so. Trotzdem hat sich mein Veganismus hier phasenweise durchaus verabschiedet. Zum Beispiel während meines Praktikums in Tingo Mal Paso.


Die Peruaner selbst essen in der Regel oft Reis mit viel Fleisch.

Besonders oft gibt es Huhn, aber auch Schwein und Rindfleisch.

Meerschweinchen sieht man hier zwar überall, aber dass sie gegessen werde, sehe ich vergleichsweise selten. Wohl auch weil man da pro Person ein ganzes braucht um satt zu werden, so dass man sich das für besondere Anlässe aufhebt.

Obst wird typischerweise glaube ich eher weniger gegessen, obwohl es hier so viele verschiedene Sorten gibt. Da sind Fruchtsäfte in Cafés und Saftläden schon beliebter. Am häufigsten sehe ich Papaya, Banane, Quito Quito ("Quitoorange"), Wassermelone, Mandarinen, Orangen und Ananas.

Ein paar Gerichte, über die man in peruanischen Restaurants oft stolpert, sind Ceviche, Lomo Saltado, Chaufa, Arroz a la Cubana und Tortilla de Verduras. Oft gibt es ein Mittagsmenü für um die 10 Soles. Für umgerechnet 2,50€ bekommt man eine Suppe, einen Saft und eine Hauptspeise (meistens Reis, Fleisch und ein bisschen Gemüse oder ein Stück Yuca). Das Nationalgericht Perus ist Pachamanca (Sprache: Quechua). Das wird in der Erde zubereitet und besteht hauptsächlich aus Fleisch (verschiedene Sorten: z.B. Schwein, Lamm, Huhn…) und Gemüse (auch verschiedene Sorten, aber auf jeden Fall auch Kartoffel, Yuca, Zwiebel…). Bevor ich jetzt hier versuche ein Rezept aus dem zusammenzubasteln, was ich beobachtet habe, verlinke ich euch lieber hier eine Internetseite, auf der jemand beschreibt, wie Pachamanca zubereitet wird.

Aufgefallen ist mir außerdem, dass es bei Süßspeisen zwar Gemeinsamkeiten mit Deutschland gibt, aber auch einige Unterschiede.

Auch hier wird gebacken, aber eher so wie in den USA: Torten mit aufwendiger Glasur, viel Farbe und Zucker anstelle von „richtigem“ Kuchen. Wenn wir schon beim Backen sind - was das Brot betrifft möchte ich einen meiner Mitfreiwilligen zitieren:

"Also das was die hier als Brot verkaufen, kann man besser als Dämmmaterial fürs Haus benutzen. Des könnte man unter die Dächer spaxen, dass es nicht mehr so laut scheppert beim Regen."

(Das kann man meiner Erfahrung nach aber irgendwie über das "Brot" in jedem Land sagen, das nicht Deutschland ist. Man könnte meinen, dass das Problem bei unseren hohen Ansprüchen liegt...)

Eis gibt es in Peru natürlich auch, aber weniger in Form von Eisdielen und mehr als abgepacktes Eis oder als Milchshakes. Die Kinder rennen hier gerne mit halbgefrorenen (keine Ahnung wie das eigentlich gedacht ist) Getränke-Eis-Packungen (wie Wassereis in Deutschland) herum.


Getrunken werden Wasser, Softgetränke (hier gibt es auch Inka Kola, das ist knallgelb und schmeckt wie flüssiger Kaugummi – bäh), Tees, Säfte, selbstgemachte Limos und viel Kaffee.

Der Kaffee wird aber insbesondere in ländlichen Gegenden so stark gesüßt, dass man vom eigentlichen Geschmack nicht mehr viel mitbekommt.


Viel interessanter noch als meine persönlichen Erfahrungen mit dem Versuch sich vegan zu ernähren, ist im Zusammenhang mit dem Thema Ernährung der generelle Umgang der Peruaner*innen mit dem Thema fleischlose Ernährung.

Natürlich durfte ich schon ganz oft erklären, warum ich denn kein Fleisch esse. Und seit mein Spanisch gut genug ist, um eine ausführlichere Erklärung zu geben als „Me gustan los animales y no quiero comerlos.“ (Ich mag Tiere und ich will sie nicht essen.), habe ich auch einen Eindruck davon bekommen, was man hier von dem Konzept hält.

Was den gesundheitlichen Aspekt betrifft, so gibt es einerseits Leute, deren Hauptsorge es ist, dass man sich eben nicht gesund ernähren kann ohne Fleisch, ganz nach dem Motto „Aber was isst du denn dann?“ und „Ohne Fleisch kochen geht nicht.“, aber anderseits ist das Argument mit der Gesundheit auch das, was auf am meisten Verständnis stößt. Denn eine Sache, die hier genauso ist, wie in Deutschland ist, dass insbesondere junge Frauen sehr unzufrieden mit ihrem Körper sind. Und gerade die können es dann absurderweise irgendwie gut nachvollziehen, dass ich auch aus "gesundheitlichen Gründen" (d.h. aus deren Sicht wohl zum Abnehmen) kein Fleisch esse, was ich in der Form wirklich nicht gutheißen möchte, weil man mit so einer Denkweise natürlich gar nicht so weit von einer eventuellen Essstörung entfernt ist.

Davon, dass Fleischkonsum und Klimawandel etwas miteinander zu tun haben könnten, hat hier quasi noch nie jemand gehört.

Und was den ethischen Aspekt angeht – der wird hier genauso belächelt wie von vielen Deutschen. Insbesondere auf dem Dorf versteht das natürlich keiner so richtig, weil die Leute dort damit groß werden, dass es ganz normal ist, mit Küken zu spielen und am Nachmittag ein Huhn zu schlachten. Auch wenn es vollkommen logisch ist, dass die Leute gerade in ärmeren Gegenden sehr darauf angewiesen sind, Tiere zu halten und diese dann auch zu essen, bestürzt es mich, wie wenig Mitgefühl man hier grundsätzlich mit Tieren hat.

Nicht nur auf dem Dorf und nicht nur was Nutztiere betrifft, sondern auch bei Hunden und Katzen. Einerseits gibt es unfassbar viele Straßenhunde und -katzen. Andererseits behandeln die Peruaner*innen ihre Haustiere nur ganz selten so, als seien sie in irgendeiner Form Teil der Familie. Oft sieht man wie Hunde geschlagen oder mit Steinen beworfen werden, auch wenn es keinen Grund dazu gibt. Damit meine ich, dass der Hund wirklich nichts gemacht hat, außer vorbeizulaufen. Es ist natürlich etwas anderes, wenn der Hund von sich aus aggressiv wird und einen angreift. Das passiert mir auch oft genug und da würde ich mich im Zweifelsfall natürlich auch wehren. Wobei es meistens reicht so zu tun als würde man einen Stein werfen. Der Umgang mit Tieren hier bestürzt mich auch deswegen, weil es den Peruaner*innen ansonsten eigentlich wirklich nicht an Liebe, Freundlichkeit und Herzlichkeit mangelt. Die Menschen sind überschwänglicher und irgendwo auch netter, selbst wenn sie einen nicht kennen. Nicht alle natürlich, aber doch viele. Innerhalb einer Familie scheint es mehr Zusammenhalt zu geben und das gilt auch über mehrere Generationen hinweg. Es ist ganz selbstverständlich auch entferntere Verwandte zu unterstützen und für sie zu arbeiten, wenn sie zum Beispiel ein Geschäft, ein Restaurant oder ein Hotel haben. Dafür wirken junge Menschen auf mich ein bisschen unselbstständiger als deutsche Teenager. Viele leben auch noch sehr viel länger bei ihren Eltern zu Hause, als das in Deutschland üblich ist. Die meisten bekommen auch jünger Kinder und dann helfen die Großeltern dabei, ihre Enkel großzuziehen. Was den Umgang zwischen Männern und Frauen angeht, so ist es neben dem offensichtlichen, großen Thema Machismo auf jeden Fall so, dass eher „unverbindliche“ Beziehungen, untypischer sind als in Europa. Es wird ab einem gewissen Alter auch irgendwo von einem erwartet, in einer Beziehung zu sein. Außerdem finden viele den Gedanken, Kinder zu kriegen, ohne zu heiraten oder auch weder Kinder kriegen noch heiraten zu wollen sehr befremdlich. Ich habe schon beobachtet, wie dann bestürzt versucht wurde, eine meiner Mitfreiwilligen davon zu überzeugen, dass sie doch unbedingt Kinder kriegen muss. Was das Thema Machismo und Sexismus betrifft: Darüber wird schon geredet. Aber dass jemand dir zustimmt, wenn du sagst, dass Gleichberechtigung wichtig ist und dass Frauen genauso mit anpacken können wie Männer, hindert ihn ganz offensichtlich nicht daran, dir fünf Minuten eine Kiste abzunehmen, weil du die ja unmöglich selber tragen kannst, weil du ja eine Frau bist. Ansonsten empfinde ich peruanische Männer übrigens in gewisser Weise als wesentlich aufdringlicher als deutsche. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass manche von ihnen nicht mal Ruhe geben, wenn man sie mehrere Wochen lang konsequent ignoriert… Aber das kann natürlich auch daran liegen, dass wir Freiwilligen alle weiß, europäisch und offenbar wahnsinnig interessant sind.


Das ist nämlich noch so ein Thema: Hautfarben, Vorurteile etc. Es ist hier ein bisschen so, wie es wohl auch in Indien zu sein scheint. Indien haben wir in der Oberstufe im Englischunterricht behandelt und genau wie dort ist es auch hier ein Schönheitsideal möglichst helle Haut und helle Haare zu haben. „Weißere“ Menschen werden als etwas Besseres angesehen und auch als attraktiver wahrgenommen. (Ich finde mich nicht hässlich oder so, aber so überschwänglich wie mir teilweise schon Komplimente über meine angebliche Schönheit gemacht wurden…also das kam mir doch sehr übertrieben und realitätsfern vor.) Besonders schlimm finde ich es, wenn ich mitbekomme, wie Peruaner*innen mit hellerer Haut sich Menschen mit dunklerer Haut teilweise so verhalten, als seien sie etwas Besseres und dass es in diesem Zusammenhang auch viel Diskriminierung gibt. Ansonsten kann ich noch das Klischee bestätigen, dass Südamerikaner grundsätzlich unpünktlich sind. Das stimmt schon sehr oft. Aber manchmal überraschend auch nicht. Das habe ich immer noch nicht ganz durchschaut. Mir kommt es vor, als wären die Leute in Peru immer ausgerechnet dann pünktlich, wenn ich mal zu spät dran bin und mir denke, dass ich mich nicht zu stressen brauche, weil die anderen sowieso zu spät kommen werden. Zu solchen Gelegenheiten warten dann alle immer schon auf einen. Aber bisher gab es da noch nie Stress, wenn ich mal ein bisschen später dran war. Entspannt sind sie hier meistens. Man lebt auch irgendwie mehr nach dem Motto "Ach, das wird schon irgendwie werden." (Und dann wird es halt auch wirklich immer irgendwie.) Ein bisschen zu entspannt für meinen Geschmack ist es aber manchmal auch, auch wenn ich die peruanische Gelassenheit generell sehr cool finde. Zum Beispiel bin ich mir sehr sicher, dass man die Arbeitszeiten hier deutlich kürzen könnte, wenn alle ein bisschen produktiver arbeiten würden. Damit meine ich nicht, dass die Peruaner nicht hart arbeiten und fleißig sind. Die meisten fangen so um 8 Uhr (also eher halb 9) mit der Arbeit an und gehen zwischen halb 6 und 6 nach Hause. Mit einer Mittagspause von 1-2 Stunden so gegen 1 Uhr. Da bleibt nicht viel Freizeit unter der Woche. Ich kann jetzt nicht mit völliger Sicherheit sagen, dass es in Deutschland anders ist, aber manchmal wird schon viel Zeit vertrödelt, indem Sachen auf scheinbar ineffiziente Weise gemacht werden oder zu viel geredet und zu wenig gemacht wird. Außerdem denke ich mir oft, dass es doch besser wäre, nur eine halbe Stunde Mittagspause zu machen und dafür schon 1,5 Stunden früher nach Hause zu gehen. Aber die ganze Arbeitskultur ist sowieso eine andere. Was körperliche Arbeit betrifft, packen die Peruaner in der Regel immer sofort mit an, ohne zu zögern. Ich will nicht generalisieren, aber mir kommt es vor, als sei der durchschnittliche Peruaner fleißiger als der durchschnittliche Deutsche. Man wird auch nach einem anderen System bezahlt. Meistens nicht nach den Stunden, die man gemacht hat, sondern einfach pauschal pro Monat, egal wie viele Stunden man auf der Arbeit war. Das sehe ich sehr kritisch, weil die Leute nicht etwa weniger arbeiten, sondern mehr. Das liegt, glaube ich, auch an den Verträgen. Wenn man das nämlich nicht tut und ein Problem damit hat viele Überstunden zu machen und hin und wieder auch am Wochenende zu arbeiten, dann wird man scheinbar recht schnell ersetzt. Auch das Zuhause bleiben wegen Krankheit ist hier unbezahlt und wenn man mal größere bzw. langwierige gesundheitliche Probleme hat, dann ist man möglicherweise seinen Job los und es bleibt zu hoffen, dass wenigstens irgendeine Form von Krankenversicherung vorhanden ist. Wenn man sowas mitbekommt, ist man umso dankbarer für das deutsche Gesundheitssystem und die Arbeitnehmerrechte.


Trotzdem haben die Peruaner*innen meiner Erfahrung nach einen unterschütterlichen Glauben daran, dass man mit harter Arbeit alles erreichen kann, sich all seine Träume erfüllen kann. Viele arbeiten daraufhin eines Tages in die USA auszuwandern. Für mich wirkt es so, als existiere der American Dream in Peru hier heutzutage - anders als in den USA - tatsächlich noch. Was die Freizeit angeht: Fußball ist hier genauso populär wie in Deutschland. Außerdem wird noch Volleyball und wohl auch Basketball und Handball gespielt. Ansonsten sind Leute in Peru aber wirklich nicht sonderlich sportbegeistert. Die meisten würden selbst 500 Meter lieber mit dem Moto zurücklegen als zu Fuß. Als Jogger wird man komisch angeschaut, außer man gesellt sich morgens zwischen 5 und 7 Uhr zu den anderen „komischen“ Oxapampinern, die ihre Runden um den Park drehen. Wenn man aber beispielsweise von Tingo Mal Paso aus eine Straße lang joggt oder von Pozuzo in Richtung seines Vorortes Prusia, dann wird man von vorbeifahrenden Autofahrern durchaus mal gefragt, ob man denn nicht mitfahren will, weil es schwer vorstellbar scheint, dass jemand aus Spaß und freiwillig irgendwo hinrennt. Wobei die meisten tatsächlich gar nicht unbedingt ein Auto haben, sondern vor allem ein Moto. Mit dem Motofahren fangen die Kids schon mit 10 oder sogar noch jünger an. Damit kommt man dann vor allem innerhalb des Ortes oder zwischen benachbarten Orten von A nach B. Das bringt mich auf das Thema Verkehr in Peru. Der ist nämlich auch ganz anders als in Deutschland. Nicht nur, dass es hier weder bei Autos noch bei Motos interessiert, wie alt der/die Fahrer*in ist und ob er oder sie einen Führerschein hat (den man übrigens wesentlich leichter bekommt als in Deutschland, notfalls mit Schmiergeld & TROTZDEM haben richtig viele Menschen gar keinen). Der Verkehr ist außerdem viel lauter und überall werden die Motoren angelassen, selbst wenn man wartet, weil jemand für 10 Minuten im Geschäft ist, um einzukaufen. Oft läuft sogar der Motor eines abgestellten Fahrzeuges, in dem niemand mehr drinsitzt, einfach weiter! Und daran, dass der Sprit zu billig ist, kann es ja wohl auch nicht liegen. Man könnte außerdem auch auf den Gedanken kommen, dass rote Ampeln nur Anhalte-Empfehlungen sind und dass jede Verkehrsregel durch gezieltes Hupen ersetzt werden kann. Die Peruaner*innen lieben es zu hupen. Dazu gibt es eine lustige Stilblüte aus der Stilblüten-Sammlung, die wir unter den Ecoselva-Freiwilligen in Peru angefangen haben (ist natürlich nicht ernst und vor allem nicht böse gemeint):

„Im Qualitätslabor, da wo die Lebensdauer von Hupen getestet wird, wie oft man die drücken kann, bis die kaputtgehen, da sitzt in dem Kasten bestimmt ein kleiner Peruaner und hupt den lieben langen Tag lang. Und der ist voll in seinem Element. Das ist sein Traumjob!“ Anfangs kam mir die Huperei tatsächlich absolut willkürlich vor, aber inzwischen lassen sich Muster erkennen und manchmal ist es auch wirklich sinnvoll. Zum Beispiel auf schmalen, kurvigen Straßen. Da wird dann vor jeder Kurve gehupt, damit eventueller Gegenverkehr weiß, dass da jemand kommt. Das dürften die dort, wo ich mit meinen Freundinnen im Sommer in Frankreich in den Bergen im Urlaub war auch gerne so übernehmen. Hier in Peru dürfte man zusätzlich zu der Huperei aber gerne auch einfach mal nur ungefähr halb so schnell diese Straßen entlangrasen. Das würde die Angelegenheit mit Sicherheit auch weniger gefährlich machen. Dazu kommt ja, dass diese Autos, bei deren Anblick der TÜV vor Schreck vom Stuhl kippen würde, im Innenraum durchaus mal acht Menschen transportieren und dann nochmal einen Haufen Leute hinten auf der Ladefläche. (Wie viele Witze ich hier schon gemacht habe, in denen das Wort TÜV vorkam, kann ich auch schon gar nicht mehr zählen.) Und auf manchen Straßen besteht insbesondere während der Regenzeit auch noch Erdrutschgefahr. Erst vorletzte Woche ist auf der Strecke zwischen Tingo Mal Paso und Pozuzo jemand ums Leben gekommen, weil von oben ein großer Stein kam. Die anderen Insassen des Autos haben zum Glück alle überlebt. Auch wenn ich meine Sicherheitsansprüche in den vergangenen Monaten zwangsläufig etwas herunterschrauben musste, gibt es Tage, an denen ich lieber zu Hause bleiben würde, als so ein Risiko auf mich zu nehmen. Wobei es schon ungewöhnlich ist, dass so ein Unfall noch im Mai passiert, wenn die Regenzeit eigentlich schon vorbei ist und es nur und zu noch ein bisschen Niederschlag gibt. Zwischen Dezember und Ende März bin ich zum Beispiel gar nicht in Pozuzo gewesen. Da ist die Straße wirklich schlecht. Aber das war sie im April schlussendlich auch noch und ganz oft gab es gar keine Möglichkeit durchzukommen. Der ganze Sicherheitsaspekt war anfangs auf jeden Fall eine ungewohnte Umstellung, auch wenn ich mir unsicher bin, ob das unter "Kultur" fällt. Dass ich mich inzwischen an vieles gewöhnt habe, heißt aber nicht, dass ich mich da nicht schleunigst wieder umgewöhnen möchte, wenn ich wieder in Deutschland bin. Zum Beispiel habe ich die Gewohnheit, beim Einsteigen ins Auto als Erstes nach dem Anschnallgurt zu greifen, schon seit Langem abgelegt, weil es entweder keine gibt oder man sich die Sitzbank mit mehr Leuten teilt als es Gurte gibt oder weil man hinten auf der Ladefläche sitzt. Dieser Text ist jetzt schon so lang geworden, dass ich ihn an dieser Stelle beenden werde und gegebenenfalls nochmal einen zweiten Teil schreiben werde. Was natürlich ein bisschen fehlt, sind die klassischen kulturellen Aspekte, also Feiertage und Feste etc., aber davon habe ich ja immer am Rande mit berichtet, wenn ich über Weihnachten oder dem langen Osterwochenende geschrieben habe.

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